120 Landfrauen erlebten nächtliche Führung „rund um den Linnersken Karktoorn“

Es war eine klare Novembernacht in Lindern. Der Nachtwächter zündet seine Laterne an um seinen Rundgang durch das Dorf zu machen. Der Nachtwächter? Nein wir befinden uns nicht im fernen Mittelalter, sondern auf einer Führung der besonderen Art im Jahre 2016.

img_4416Die Landfrauen hatten ihre Mitglieder zu einer Nachtwächterführung eingeladen, die unter dem Thema stand „rund um den Linnersken Karktoorn“. Diese Veranstaltung war der Beitrag des LandFrauenVereins Lindern zum plattdeutschen Jahr, welches dieses Jahr in der Gemeinde Lindern stattfindet.

Mit Nachtwächterumhang, Hut und Kerzenlaterne wartete „Jan“ alias Stefan Schute in der Dämmerung am Brunnen des Marktplatzes auf die Gruppe von 120 Nachtschwärmerinnen.

,Die erste Station der Tour war ein Besuch bei Pastor Thomas Mappilaparambil im Garten des Pfarrhauses. Pastor Thomas und sein Helferteam hatten alles sehr einladend gestaltet: viele Kerzen Laternen, Feuerkörbe und Lichter schafften im Garten eine einmalige Atmosphäre. Pastor Thomas freute sich sehr über den Besuch von so vielen Landfrauen. Zum Aufwärmen servierte das Pfarrhausteam heißen Punsch. Und für viele Linderner Landfrauen war Pastors Garten Neuland, wie eine Teilnehmerin erzählte: „jetzt bin ich schon über 40 Jahre hier in Lindern, aber bei Pastor im Garten war ich noch nie“.

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Nach der Verabschiedung bei Pastor ging es nicht weit, nächster Stopp war beim Rathaus. „Lustert tau ihr Lüe, ik hab‘ wat tau vertellen“, fängt Nachtwächter „Jan“ an und dann taucht er mit den Landfrauen in die Geschichte Linderns ein. Es gibt so viele Anekdoten, die sich um das frühere Lindern ranken. Auch die meisten Landfrauen können von „Jan“ noch jede Menge über Lindern lernen. Geschickt rundet der Nachtwächter einzelne Episoden jeweils mit einem Lacher ab. Und gelacht wird viel an diesem Abend.

Etwas ruhiger und auch ein wenig nachdenklicher ist es bei dem nächsten Haltepunkt. Das „Reparatu-Cafe Lindern mit und für Flüchtlinge unserer Gemeinde“.

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Die 15jährige Nora begrüßt die Gruppe in sehr gutem Deutsch. Nora kommt aus Syrien und lebt seit 2 Jahren in Deutschland. Der Leiter des Reparatur-Cafes, Conrad Möhlenkamp, erzählt beeindruckend wie es zur Gründung gekommen ist. In Lindern sind die Flüchtlinge in den Bauernschaften untergebracht, sie hatten also keinerlei Mobilität. Alles musste zu Fuss bewältigt werden. Zusammen mit der Caritas versuchen sie durch das gemeinsame Arbeiten an Fahrrädern, die Anonymität zu reduzieren, die Mobilität zu verbessern, gleichzeitig können sie Kontaktperson sein und auch konkret helfen. Auch wird durch das gemeinsame Kaffeetrinken die Geselligkeit gepflegt. An diesem Abend hatten die Flüchtlinge, die überwiegend aus Syrien stammen, leckeren Kuchen gebacken, den sie den Landfrauen servierten.

Sichtlich beeindruckt und auch schon etwas durchgefroren, machten sich die Landfrauen auf zur nächsten Station – das „Alte Hotel Schute“. Margret Schute hatte die Gruppe bereits erwartet. Anschaulich berichtete sie vom Werdegang ihrer Vorfahren und des Anwesens. Das 1895 errichtete Wohn- und Geschäftshaus wurde bis zu seiner Schließung im Jahre 1967 als Hotel- und Textilgeschäft geführt. Sie legt großen Wert darauf, dass von damals alles so geblieben ist um das Ursprüngliche zu erhalten. Bei vielen Landfrauen wurden durch die Erzählungen von Margret Schute die alten Erinnerungen an diese Zeit wieder geweckt. Das Gebäude steht natürlich unter Denkmalschutz und ist jetzt in der 6. Generation im Familienbesitz. Die im Jahre 2007 errichteten neuen Gästezimmer, das Haus wird seitdem als Hotel garni geführt, konnten natürlich auch besichtigt werden.

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Inzwischen ist es schon nach 20 Uhr, die Führung nähert sich dem Ende. Die Gruppe macht sich auf zur Endstation – zur Ratsklause, wo bereits ein stärkendes und wärmendes Buffet wartet.

Ein ganz besonderer Dank gilt der Freiwilligen Feuerwehr Lindern, die den Rundgang mit Fackeln begleitet haben und auch für die Sicherheit auf den Straßen in der Dämmerung gesorgt haben.

Spätestens nach dem Umkleiden ist aus dem Nachtwächter „Jan“ auch wieder Stefan Schute geworden. Der Vorstand des LandFrauenVereins bedankt sich ganz herzlich bei ihm. „Dein Engagement hat ganz wesentlich zum Erfolg dieses Abends beigetragen“, mit diesen Worten beendet die 1. Vorsitzende Brigitte Lübbers die Veranstaltung.